Feb 272018
 

Von Nora-Henriette Friedel

„Die Atmosphäre im Kurs war toll. Anne hat es geschafft, stets zugewandt und liebevoll zu sein, dabei aber immer genau hinzusehen, konstruktiv Tipps zu geben und sehr zielstrebig zu arbeiten, ohne Druck aufzubauen.“ Winnie Brückner ist begeistert vom Intensivkurs Chordirigieren Jazz/Pop, den Anne Kohler, Professorin für Chordirigieren an der Hochschule für Musik Detmold, drei Tage lang im Rahmen von Chor@Berlin leitete. Als Studiochor stand den Teilnehmenden Kohlers preisgekröntes Studierendenensemble Pop-Up gegenüber.


Gearbeitet wurde an Arrangements vom Volkslied über Duke Ellington bis Vienna Teng. Man feilte an Dirigiertechnik, Stilistik und Probenmethodik, Timing, Groove und Phrasierung. Wie erzeugt man die gewünschte Klangfarbe? Wie überträgt sich die Atmung der Chorleitung auf das Ensemble? Solche und andere Fragen wurden praktisch erprobt. Sechs aktive TeilnehmerInnen hatten an ihren Dirigierfähigkeiten im populären Genre gearbeitet. 30 passive Teilnehmende verfolgten das Kursgeschehen aus den Publikumsreihen oder mischten sich unter die SängerInnen von Pop-Up. So auch Sängerin, Komponistin, Arrangeurin und Vocal Coach Winnie Brückner und zwei weitere Mitglieder ihres A-cappella-Ensembles niniwe. „Ich war auf der Suche nach neuem Input“, sagt Winnie Brückner. „Mir ist noch nie so deutlich geworden wie in diesem Kurs, wie stark sich die Art und Weise, wie sich Dirigenten bewegen und mit ihrem Körper umgehen, darauf auswirkt, wie der Chor klingt.“

Intensivkurs 2018: Teilnehmerin Lili Sommerfeld

Wilfried Staufenbiel war ebenfalls passiver Teilnehmer. Der frühere Sänger im Rundfunkchor Berlin leitet drei Chöre, allerdings sei das Genre Pop für ihn ein „schwarzes Loch“. Über das wollte er gern in puncto Stilistik und Probenmethodik dazulernen, um mit seinen Chören auch mal Ausflüge in diese Bereich zu machen. Den Detmolder Studierendenchor lobt er sehr, eine Teilnehmerin, die sonst im Psycho-Chor Jena singt und gern andere Dirigate kennenlernen wollte, pflichtet ihm bei. Die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit: In der abschließenden Feedbackrunde des Intensivkurses sagten Chormitglieder von Pop-Up, von denen die meisten Schulmusik oder Tonmeister, einige aber auch im Hauptfach Jazzgesang oder ein Instrument studieren, dass sie selbst in diesen drei Tagen viel gelernt hätten – über die vielen Nuancen des Dirigierens, aber auch über musikalische Details der geprobten Stücke. Dieses erste Mal als Studiochor solle nicht das letzte Mal bleiben, finden sie.

Intensivkurs 2018: Studiochor Pop-Up mit TeilnehmerInnen

Und die aktiven Teilnehmenden? „Ich habe das als Chance gesehen, mich weiterzuentwickeln, auch dadurch, dass ich mich der Situation aussetze, vor Publikum in meinem Dirigat gecoacht zu werden“, sagt Sabine Helmbold, Jazzsängerin und Chorleiterin aus Leipzig. Anfangs sei das sehr aufregend gewesen, das konnte sich aber im Lauf der drei Kurstage legen. Helmbold fand besonders Hinweise zu Dirigiertechnik, Atmung und Ansprache des Chors hilfreich, die sie von der klassisch ausgebildeten Dirigentin Anne Kohler mitnehme, außerdem den Austausch mit KollegInnen.

Eine davon ist Lili Sommerfeld aus Berlin, ebenfalls Sängerin und Chorleiterin, sie bezeichnet sich selbst als „Weiterbildungsjunkie“. Vor kurzem hat sie den B-Kurs Jazz-Pop-Chorleitung an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel abgeschlossen. „Dirigieren macht mir unglaublich Freude – ist aber auch ein riesiges Arbeitsfeld“, sagt sie. Ihr größter Aha-Moment am Kurswochenende war es, loszulassen, den Chor machen zu lassen und zum Musizieren einzuladen, anstatt „subdivision-lastig zu dirigieren, viel reinzugeben und zu verlangen“, wie sie es bis dato getan habe. Das passte ganz gut zum Refrain aus James Taylors „The Secret of Life“ im Arrangement von Jens Johansen, Pflichtstück beim 10. Deutschen Chorwettbewerb für Popchöre a cappella, an dem Sommerfeld mit Pop-Up arbeitete: “Try not to try too hard, it’s just a lovely ride”. Ein “lovely ride” war der Intensivkurs mit dem Detmolder Hochschulchor und Anne Kohler für die Beteiligten auf jeden Fall.

Intensivkurs 2018: Leiterin Anne Kohler

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