Feb 272016
 

DSC01878 (480x640)Von Jelena Maywald

Wie erschließe ich mir als ChordirigentIn neues Repertoire und wie vermittle ich es meinem Ensemble? Florian Benfer, Leiter des Deutschen Jugendkammerchors, und Friederike Woebcken (Foto), Professorin für Chorleitung an der Hochschule für Künste Bremen, gaben in ihren Workshops im Rahmen von Chor@Berlin 2016 im Radialsystem V wertvolle Tipps für die Praxis. Beide Dozenten wollten auf Grundlage unterschiedlicher Literatur Berührungsängste mit neuer(er) Chormusik abbauen und zeigen, wie es klappt, einem unerfahrenen Ensemble auch „große Brocken“ näherzubringen.

DSC01819 (480x640)„Was sind die Vorbehalte des Chores an ein völlig neues Stück, das auch noch improvisatorische Elemente enthält?“ Anhand von „Madrig?ls“ des Letten P?teris Vasks und weiterer neuer(er) Chormusik erklärte Florian Benfer in seinem Workshop am Freitagnachmittag im Radialsystem V, wie Berührungsängste vor fremdsprachigen Stücken und Werken mit undefinierten, improvisatorischen Passagen abgebaut werden können.

Einen Ausschnitt vorzusingen und ihn vom Chor nachsingen zu lassen, noch bevor dieser die Noten und den Text davon gesehen hat, sei beispielsweise eine gute Methode, um bei fremdsprachigen Stücken eine einheitliche Vokalfarbe zu bekommen – denn der Chor imitiert genau das Vorgemachte, ohne sich vom geschriebenen Text beeinflussen zu lassen.

Für freie, improvisatorische Ausschnitte empfiehlt Benfer, nicht zu viel auf einmal vom Chor zu verlangen: „Wenn man dem Sänger sagt: ‚Mach was du willst‘, ist er schnell überfordert.“ Je einfacher und klarer man die Aufgabe verpacke, umso schneller und überzeugender werde es. Nur wenn sich der Dirigent eine genaue Vorstellung von Interpretation und Aussprache gemacht habe, könne er es dem Chor überzeugend vermitteln.

DSC01882 (480x640)„Sänger betonen gerne die letzte Silbe bevor etwas Neues kommt, denn dann wollen sie schnell atmen“, schloss Prof. Friederike Woebcken in ihrem Workshop am Samstagmorgen daran an. „Das ist unschön. Was kann man dagegen machen? Man kann es ihnen verbieten. Dann machen sie es oft trotzdem oder halb unterdrückt. Was kann man sonst noch machen? Man kann ansagen, dass die Betonung auf der Silbe davor gemacht werden soll.“

Auf Grundlage des Chorbuchs „I Himmelen – Skandinavische Chormusik“, gab auch sie anhand konkreter Literatur Tipps zur Probemethodik. Das Buch eigne sich deshalb so gut, weil es „einen Querschnitt skandinavischer Stücke enthält, die nicht zu schwer, aber es wert sind, gesungen zu werden“. Verfügbar sind die Werke in Originalsprache und auf deutsch. Allerdings empfiehlt Woebcken, bei der Originalsprache zu bleiben, wenn die deutsche Übersetzung nicht die emotionale Ausdruckskraft hat wie die Musik. Bei vielen Stücken funktioniere aber die deutsche Übersetzung problemlos, wie sie anhand der schwedischen Volksweise „I himmeln, i himmeln“ (Im Himmelreich) demonstrierte.

Beide Workshops machten Lust Neues – ob skandinavisch oder baltisch. Spätestens, als der Deutsche Jugendkammerchor einiges davon in seinem Konzert „Nacht Lieder“ am Freitagabend präsentierte.

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