Feb 252016
 

DSC01714 (640x480)Von Nora-Henriette Friedel

Konzentriertes Arbeiten, spannende Begegnungen und ein begeisterndes, intensives Konzert vor fast ausverkauftem Haus: Der erste Tag von Chor@Berlin zeigte bereits sehr viel von dem, was das jährliche Vokalfest ausmacht. Bereits zum sechsten Mal trifft sich die Vokalszene der Hauptstadt im Radialsystem V, um in den kommenden vier Tagen zu hören, zu lernen, zu diskutieren und sich auszutauschen – und natürlich zu singen. Den Auftakt machte heute der Intensivkurs Chordirigieren mit Hans-Joachim Lustig (Foto), in dem unter anderem drei gefragte Komponisten zeitgenössischer Chormusik den Teilnehmern Rede und Antwort standen. Am Abend präsentierte der preisgekrönte MDR Rundfunkchor unter der Leitung von Risto Joost Arvo Pärts abendfüllendem „Kanon Pokajanen“ – hier gibt es einen kleinen Eindruck in Ton und Bild.

DSC01706 (640x480)Mit dem Intensivkurs Chordirigieren unter der Leitung von Hans-Joachim Lustig startete am Donnerstagmorgen Chor@Berlin 2016. 16 Teilnehmende aus ganz Deutschland, aber auch aus den Niederlanden arbeiten drei Tage lang gründlich an dirigentischen Feinheiten, an Probenmethodik und vielfältigem Repertoire, insbesondere für Männerchor. Nachdem heute mit Klavier geübt wurde, kommt morgen der Realitätscheck mit dem Studiochor – dem Sonux Ensemble, das sich aus den Männerstimmen der Chorknaben Uetersen zusammensetzt, die Hans-Joachim Lustig leitet.

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U?is Prauli?š

Einen Schwerpunkt des Kurses bildet zeitgenössisches Repertoire. Um den Teilnehmenden die Vorzüge der Zusammenarbeit mit Komponisten nahe zu bringen, stand heute auch ein Gespräch mit drei Tonsetzern auf dem Programm, die bereits für Lustigs Ensembles Werke geschrieben haben: U?is Prauli?š (*1957) aus Riga, Martin Lutz (*1974) aus Kopenhagen und Jakub Neske (*1987) aus Warschau waren eigens angereist, um Einblicke in ihre Arbeitsweise zu gewähren.

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Martin Lutz

Dass Komponieren weniger mit spontaner Inspiration zu tun hat, sondern viel mehr harte Arbeit ist, aus der dann mitunter nach Wochen erst eine gute Idee entsteht, verriet Martin Lutz. „Je mehr man arbeitet“, sagte Lutz, „desto größer die Chance, dass etwas Gutes dabei herauskommt.“ Für das Sonux Ensemble schrieb er das Stück „Lux Aeterna“.

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Jakub Neske

Der Befürchtung, dass neue Musik prinzipiell zu schwierig für Laienensembles sei, entgegnete Jakub Neske: „Was ich schreibe, ist ja nicht zu vergleichen mit Stockhausen – und meine Erfahrung ist, dass Chöre nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten zum Beispiel mit meinem Stück ‚Milonczarnia‘ sehr gut damit zurechtkommen.“

„Der Job von Komponisten ist es“, sagte Prauli?š, „die Fähigkeiten des Chores, für den sie schreiben, im Blick zu haben – und auf dieser Basis gute Musik zu schreiben.“ Alle drei Komponisten schätzen die Zusammenarbeit mit Chören und ermutigten die Teilnehmenden dazu, diesbezügliche Hemmungen abzubauen. Denn dann erlebt man „Musikgeschichte live“, wie Hans-Joachim Lustig es auf den Punkt brachte.

DSC01739 (640x480)Am Abend präsentierte der preisgekrönte MDR Rundfunkchor unter der Leitung von Risto Joost vor ausverkauftem Haus Arvo Pärts abendfüllendem „Kanon Pokajanen“, eine Auftragskomposition zum 750-jährigen Jubiläum der Grundsteinlegung des Kölner Domes (1998). In der Auseinandersetzung mit dem Bußkanon der russisch-orthodoxen Tradition schuf Pärt ein von der Sprache ausgehendes Chorstück, das so wohl nicht von ihm erwartet worden wäre: „Ich wollte dem Wort die Möglichkeit geben, seinen eigenen Klang zu wählen, seine melodische Linie selbst zu zeichnen … so entstand – auch für mich etwas überraschend – eine Musik, ganz durchdrungen von dem eigenartigen Charakter dieser besonderen, nur in Kirchentexten verwendeten slawischen Sprache.“

Hier die Ode IV aus dem „Kanon Pokajanen“ von Arvo Pärt, gesungen vom MDR Rundfunkchor unter der Leitung von Risto Joost im Rahmen des Eröffnungskonzerts von Chor@Berlin 2016 im Radialsystem V:

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