Okt 132015
 

005_MG_4480 (640x427)Es war eines der großen Diskussions- und Aufregerthemen der chor.com 2015: Im Rahmen des Projekts „Frisch komponiert!“ hatten der Dirigent Rupert Huber (Foto) und der Deutsche Chorverband (DCV) renommierte Komponistinnen und Komponisten dazu aufgerufen, zeitgemäße Chormusik zu schreiben, die auch Laienchöre gut singen können. 13 der Stücke wurden auf der chor.com vom SWR Vokalensemble Stuttgart uraufgeführt, dazu gab es einen Workshop und eine Diskussion, bei der Rupert Huber kein Blatt vor den Mund nahm. Hier noch einmal in Wort, Ton und Bild die provokantesten Thesen, die Diskussion in voller Länge, musikalische Eindrücke aus dem Konzert sowie Stimmen von Komponisten und Besuchern.
 
Gleich zu Beginn der Diskussion, die am Tag nach dem umjubelten Konzert im Kongresszentrum Westfalenhallen stattfand, bat Rupert Huber darum, bei seinen Ausführungen nicht allzu sehr auf political correctness achten zu müssen – und das tat er dann auch nicht. Zunächst berichtete er von seinen Beobachtungen einer ungeheuren „Betriebsamkeit in der sogenannten Laienchorszene“ in den vergangenen Jahren hinsichtlich neu komponierter Musik. Was da allerdings größtenteils gesungen werde, habe ihn „erschüttert“. Es herrsche eine riesige Kluft zwischen Werken von großen Komponisten wie Tallis und – so Huber wörtlich – „dem, was es sonst noch so gibt“. Dies sei leider allzu oft „musikalisches Instant-Food“.

Dabei gebe es sehr viele Laienchöre, die gerne moderne, anspruchsvolle Literatur singen würden – sie würden aber nichts finden. Deshalb sei es Huber nun eine echte „Herzensangelegenheit“ die „Kommunikation zwischen diesen beiden Inseln“ – den Chören auf der einen, den Komponisten auf der anderen Seite – zu fördern. Denn auch die Komponisten hätten oft, verwöhnt vom professionellen Aufführungsbetrieb, wenig Ahnung davon, was nicht-professionellen Ensembles überhaupt möglich sei. Leider herrsche bei ihnen manchmal eine „elfenbeinhafte Verträumtheit“, wenn sie sich ans Komponieren machten.

Hier der Clip mit Hubers provokantesten Thesen im Rahmen von „Chorzeit – der Vokaltalk“ auf der Messebühne des Kongresszentrums Westfalenhallen:

Wer die gesamte Diskussion, an der auch die Sängerin Sabine Czinczel teilnahm und die von SWR2-Redakteurin Dorothea Bossert moderiert wurde, verfolgen möchte, findet sie in voller Länge als Audio-Podcast des Radiomagazins Vocals on Air:

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Die von Huber festgestellte „elfenbeinhafte Verträumtheit“ der Komponisten zeigte sich offenbar auch bei den Einsendungen zur Aktion „Frisch komponiert!“: Von den 13 ausgewählten Stücken gab es nur vier, die Laienchöre zumindest theoretisch umsetzen können. In Zukunft müsse man „noch mehr darauf achten, dass man Ergebnisse bekommt, die praktisch umsetzbar sind“, sagt Huber. Denn das Projekt soll erst der Anfang einer langfristigen Auseinandersetzung mit zeitgemäßer Musik für Laienchöre sein.

Klangeindrücke aus dem Konzert am 2. Oktober 2015 in der Kirche St. Marien in Dortmund, Erläuterungen von Moderatorin Dorothea Bossert zu Idee und Entstehung des Projekts, Interviews mit einigen der Komponisten und Reaktionen der Zuhörer bietet der rund 25-minütige Radiobeitrag von Vocals on Air:

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Bei der Suche nach der Antowrt auf die Frage, warum Menschen eigentlich singen, schlägt die Komponistin Maria de Alvear in ihrem Stück „Einfache Freiheit“ einen weiten Bogen von kreischenden Gibbons über die Jagdrufe von Waldpygmäen bis zu grölenden Fans im Fußballstadion. Hier das Stück im Rahmen der Uraufführung im 2. Oktober in St. Marien in voller Länge:

Da eine der wichtigsten Intentionen der Aktion „Frisch komponiert!“ ist, dass die Laienchöre die neuen Stücke dann auch wirklich singen, wird der Deutsche Chorverband Noten und Audiofiles von ausgesuchten Werken in Kürze im Internet zur Verfügung stellen. Wer über die Veröffentlichung informiert werden möchte, sollte sich hier für monatlichen Newsletter des DCV anmelden.

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