Feb 132015
 

DSC00972Es war in mehrfacher Hinsicht ein glanzvoller Auftakt des Vokalfestes Chor@Berlin (12.-15. Februar): Im ausverkauften Radialsystem V begeisterten gestern Abend die Audi Jugendchorakademie unter der Leitung von Martin Steidler, die Singphoniker sowie die beiden Musikerinnen vom Ensemble Mixtura mit einer ungewöhnlichen Aufführung das Publikum. Radialsystem-Gründer und Konzertdesigner Folkert Uhde gestaltete den Abend dramaturgisch – und gab den großartigen musikalischen Darbietungen damit einen beeindruckenden Rahmen.

„Aus der Tiefe der Zeit“ verknüpfte die „Messe de Nostre Dame“ von Guillaume de Machaut (1300-1377), welche als erste mehrstimmige Messvertonung der Musikgeschichte gilt, mit der impressionistischen Klangwelt Frank Martins (1890-1974), dessen Messe für zwei vierstimmige Chöre in den 1920er Jahren komponiert wurde. Verbunden wurden diese beiden Klangwelten durch das Ensemble Mixtura (Katharina Bäuml, Schalmei; Margot Kern, Akkordeon) – mit mittelalterlichen Liebesliedern von Machaut und einer Uraufführung von Fragmenten des israelisch-palästinensischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi (*1970).

Für die besondere Dramaturgie dieses Abends, in denen Sänger und Musiker sich immer wieder neu formierten, bis sie am Ende des Abends beim „Agnus dei“ das Publikum umschlossen, zeichnete der Konzertdesigner Folkert Uhde verantwortlich. Mit seinen dezenten Lichteffekten, die nie von der Musik ablenkten, sondern deren Intensität eher noch verstärkten, schuf Uhde einen beeindruckenden Rahmen, den die jungen Sängerinnen und Sänger der Audi Jugendchorakademie und Johannes Euler (Countertenor), Daniel Schreiber und Henning Jensen (Tenor), Michael Mantaj (Bass-Bariton) und Christian Schmidt (Bass) von den Singphonikern auf mehr als überzeugende Weise auszufüllen verstanden.

Das Konzert endete, wie es begonnen hatte: Mit sphärenhaften, wie aus Ferne klingenden Schalmeienklängen, im Bühnenhintergrund eine Projektion der Kathedrale von Reims, in der Machauts Messe erstmals aufgeführt worden war. Es folgten Standing Ovations und minutenlanger Applaus.

Für alle, die gestern nicht dabeisein konnten oder den Abend noch einmal Revue passieren lassen möchten, gibt es schöne Einblicke in das Projekt in einem knapp vierminütigen Film, der während der Probenarbeiten zum Projekt entstanden ist:

Schöne Eindrücke vom ersten Chor@Berlin-Abend gab es gestern auch im rbb-Fernsehen, das vor dem Eröffnungskonzert live aus dem Radialsystem V gesendet hat. Wer den Beitrag verpasst hat, kann ihn jetzt noch einmal in der Mediathek anschauen – hier klicken!