Sep 162013
 

Auch am Samstag und Sonntag brummte das Kongresszentrum der Messe Westfalenhallen wieder vor Arbeitseifer. In den unzähligen Workshops standen unter anderem nordische Chormusik, Komponieren mit Kinder- und Jugendchören, Neue Musik für Mädchenchöre und die beiden Ausgaben der „Reinen Männersache“ vom Peters-Verlag auf dem Programm. Lesen Sie hier einige Eindrücke aus den Kursen.

Am Samstagmittag führte Friederike Woebcken (Foto links) in ihrem Workshop „Skandinavien und Deutschland: Nordische Musik zwischen Zentrum und Peripherie“ mit dem Madrigalchor Kiel vortragend und singend durch 200 Jahre skandinavische Chorgeschichte. Der Titel des Kurses stelle auch das Verhältnis von Dortmund (Zentrum) und Kiel (Peripherie) dar, wie die Dozentin vorab erläuterte. Die zeitgenössische schwedische Komponistin Karin Rehnqvist war speziell für den Workshop eingeflogen. Die Brücke zu deren Arbeit schlug Woebcken über Edvard Grieg, den „schwedischen Schubert“ Adolf Fredrik Lindblad und den im Februar 2013 verstorbenen Wegbereiter schwedischer Chormusik Eric Ericson, bei dem Woebcken selbst studiert hat.

Bei Sabine Wüsthoff lernten die WorkshopbesucherInnen Methoden, mit denen sie ihre Chorkinder zur Komposition eigener kleiner Stücke anregen können. Dabei geht es nicht nur um das Kreieren von Melodien, sondern auch um den Einsatz von Body Percussion und Mouth Percussion. Spiele, die vollen Körpereinsatz und das Einbringen eigener Ideen erfordern, sollen die musikalische Kreativität der Sängerinnen und Sänger anregen. In den neunzig Minuten von „Kinder- und Jugendchöre komponieren“ erprobten die TeilnehmerInnen diverse spielerische Improvisationstechniken (Foto rechts).

Zur selben Zeit gab Raimund Wippermann einen Einblick in seine Arbeit mit dem Mädchenchor am Essener Dom, einem der führenden deutschen Mädchen-Ensembles. Im Kurs stellte er neben Werken zeitgenössischer Komponisten auch eigene Arrangements und Kompositionen vor. Dabei lege er den Fokus besonders darauf, bei den Mädchen die „Vertrautheit mit Dissonanzen, Aleatorik, der eigenen Stimme und der Bedeutung des Textes“ zu stärken und sie so für verschiedenste Literatur fit zu machen. Im Workshop schwärmte er davon, dass die Arbeit mit den „großen“ Mädchen nah am Profi-Niveau stattfinde. Im Nachtklangkonzert am Samstagabend konnten sich die begeisterten Zuschauer in der Probsteikirche davon überzeugen.

Am Sonntagmorgen stellten dann Jürgen Faßbender, Jan Schumacher und Jochen Stankewitz ihre Chorbücher „Reine Männersache I und II“ für Männerchor vor. Obwohl der Chor der Teilnehmer stark basslastig besetzt war, und die erste Tenorstimme schüchtern von den zwei, drei anwesenden Frauen übernommen wurde, hatten alle offensichtlich viel Freude am gemeinsamen Singen. Jürgen Faßbender erheiterte die Sänger mit seinen Männerchor-Klischees: „Die meisten Männerchöre stehen auf der Bühne wie Fußballer vor dem Freistoß.“ Und über sein eigenes Ensemble Cantabile Limburg sagt er: „Wir stehen dazu, dass wir ein Stehchor sind.“ Die Angst vor neuer Musik in ungewöhnlicher Notation (Foto) – „sieht aus wie der Schaltplan eines Kühlschranks“ – nimmt er ihnen auch. Man müsse nur seine Scheu überwinden um festzustellen, dass diese Musik den Chormitgliedern einfach zu übermitteln sei und dabei auch noch gut klinge.

Text: Susanne Gerster

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