Sep 122013
 

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie chor.com 2013 hat begonnen — und wie es sich für einen Fachkongress gehört, wurde gleich zum Auftakt leidenschaftlich diskutiert.  Unter dem Motto „Aufbruch Chor“ startete der zweite Branchentreff der Chorszene mit einer offenen Gesprächsrunde im Goldsaal, der dieses Mal aufgrund der großen Nachfrage nach Ausstellerständen als zusätzliche Messefläche genutzt wird. Neben Henning Scherf (ganz rechts), dem Präsidenten des Deutschen Chorverbandes, diskutierten über Lage und Perspektive der Vokalszene in Deutschland Thomas Baerens (3. von links; Referatsleiter Musik des Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport von NRW), Martin Eifler (3. von rechts; Referatsleiter Musik des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien), Jörg Stüdemann (2. von links; Kulturdezernent der Stadt Dortmund) und Friedhilde Trüün (2. von rechts; Dozentin für Kinderchorleitung und Stimmbildung). Lesen Sie hier die wichtigsten Zitate aus dem ersten chor.com-Talk, der von nmz-Herausgeber Theo Geißler moderiert wurde.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMartin Eifler, Referatsleiter Musik des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien: „Gerade über Dachverbände wie den Deutschen Chorverband oder auch die Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände können wir gut in die Szene hineinwirken. Das Konzept der chor.com haben wir uns vor zwei Jahren sehr genau angeschaut, denn auf genau so eine Veranstaltung haben wir zehn Jahre gewartet, genau so etwas hat uns gefehlt. Es gab ja auch mal die Messe Klassik Komm, die aber nicht funktioniert hat. Warum? Weil sie rein kommerziell gedacht war! Genau das macht die chor.com viel besser, weil hier die Inhalte und die gemeinsame Arbeit im Mittelpunkt stehen — das ist das Erfolgsrezept dieses Projektes!“

Jörg Stüdemann, Kulturdezernent, Stadtdirektor und Stadtkämmerer der Stadt Dortmund: „Wir haben uns Mitte der 2000er Jahre ganz bewusst dafür entschieden, das Musikleben in der Stadt voranzubringen. Daraufhin ist die Chorakademie am Konzerthaus entstanden, für die sich schon kurz nach der Gründung unglaubliche 20.000 Grundschüler zum Vorsingen angemeldet haben. Dieser Erfolg hat auch die Initiatoren total überrascht. Und genau in dieser Phase, Dortmund mit seinen 330 Chören, dem Festival KlangVokal und 1.300 singenden Kindern an der Chorakademie als Vokalstadt zu positionieren, kam die chor.com als Idee aufs Tableau —  das passte natürlich vorzüglich ins Bild. Dortmund hat sich Schritt für Schritt zum Treffpunkt der Vokalszene in Deutschland hochgearbeitet, und da ist die chor.com als Branchentreff eine ganz wichtige Komponente.“

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHenning Scherf (ganz rechts), Präsident des Deutschen Chorverbandes: „Mich begeistert am meisten, dass wir die Kinder wieder erreichen. In unseren Felix- und Carusos-Programmen sind bundesweit mehr als 5.000 Kindergärten, mit denen wir täglich singen. Und eine ganz wunderbare Erfahrung dabei ist auch, wie gut die Eltern das finden! Meine Hoffnung ist, dass all diese Kinder, wenn sie in die Grundschule kommen, dort danach fragen, ob in der Schule eigentlich auch gesungen wird — und das dann einfordern!  Wichtig ist jetzt aber, dass wir das neu geweckte Interesse der Menschen am Singen mit guten Chorleitern füttern. Deshalb freut es mich auch, dass immer mehr Hochschulen Chorleiter-Studiengänge einrichten. Denn wir müssen dafür sorgen, dass wir genügend Chorleiter anbieten — dann geht die Post ab! (…) Wichtig ist aber auch, dass die Medien mitmachen  —  und das tun sie bereits! Filme wie ‚Young at Heart‘ oder ‚Wie im Himmel‘ zeigen zum Beispiel, wie sinnstiftend und Lebensfreude verbreitend das Singen auch für alte Menschen ist. Solche Filme zeigen mir, dass wir von den Medien nicht geschnitten, sondern ernst genommen werden.“

OLYMPUS DIGITAL CAMERAFriedhilde Trüün, Dozentin für Kinderchorleitung und Stimmbildung an der Kirchenmusikhochschule Tübingen: „Seit Montag arbeite ich hier in Dortmund im Rahmen des Projektes SingBach! mit 233 Grundschülern. Da ist eine Schule dabei mit 90 Prozent Migrationshintergrund, diese Kinder hatten bis Montag noch nie in ihrem Leben etwas von Bach gehört. Aber es spielt auch gar keine Rolle, ob man mit denen Bach, Mozart oder sonstwas singt. Es geht vor allem darum, wie die Lehrkraft das Liedgut vermittelt — es muss einfach begeisternd rüberkommen. Das kann aber eben nur dann so rüberkommen, wenn man auch kompetent ist. Und genau das ist das Wichtigste: Diese Kompetenz zu vermitteln. Dann ist es eigentlich auch egal, was man im Einzelnen mit den Kindern macht. (…) Und dann müssen wir unbedingt auch die Eltern einbinden. Im Rahmen des SingBach!-Projektes haben wir gestern einen singenden Elternabend gemacht  —  und alle haben mitgemacht! Die Eltern haben selbst eine unglaubliche Lust zu singen, da muss man sie abholen. Das ist eine hohe Kunst, sie aber viele Chorleiter sehr gut beherrschen.“

OLYMPUS DIGITAL CAMERAThomas Baerens (2. von links), Referatsleiter Musik des Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen: „Auch in NRW ist ein Aufbruch in der Chorszene zu spüren. So wurde zum Beispiel gerade eine neue Professur für das Singen mit Kindern in Detmold geschaffen. Und auch die Modularisierung der Lehrgänge, gerade für den Umgang bei der Musik mit Kindern, zeigt, dass die Musikhochschulen die Zeichen der Zeit verstanden haben — auch wenn der Gegensatz von Kunst und Pädagogik nicht so einfach aus der Welt zu schaffen ist. (…) Es gibt mittlerweile viele Neugründungen, gerade von kleinen Ensembles, die Chorszene lebt! Da wir aber —  auch durch die 68er —  eine große Lücke in der Tradition des Singens haben, müssen wir bei den Kindern anfangen. Es bringt nichts, das von oben draufsetzen zu wollen. Wir müssen ganz unten anfangen  —  dann kann man auch wieder Gras sehen, aus dem mal eine blühende Wiese wird. „

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