Mai 242012
 

Von Sarah Wulf*

Viel Überzeugungsarbeit musste Hennig Scherf, Präsident des Deutschen Chorverbandes, nicht leisten, um die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth für das Deutsche Chorfest zu gewinnen. Mit wenigen Sätzen habe er es geschafft, sie davon zu überzeugen, die Großveranstaltung in ihre Stadt zu holen, gestand Petra Roth am Mittwoch auf der großen Chorfest-Pressekonferenz. Zu dieser waren mehr als 20 Vertreter von regionalen und überregionalen Medien in den Frankfurter Römer gekommen.

Frankfurt selbst könne auf eine lange Tradition des Chorlebens zurückblicken, betonte Roth. Noch heute existierten Chöre aus dem 19. Jahrhundert, die damals aus einem neuen Bürger- und Freiheitssinn heraus entstanden waren. Chormusik habe im Laufe der Zeit immer wieder gesellschaftliche Strukturen mitgestaltet, ergänzte DCV-Präsident Henning Scherf. In diesem Sinne verstehe sich auch der in diesem Herbst 150 Jahre alt werdende Deutsche Chorverband als ein Stück deutscher Kulturgeschichte, so Scherf weiter. Auch Frankfurts Kulturdezernent Prof. Felix Semmelroth verwies darauf, das Chorfest ermögliche die kulturelle Infrastruktur der Stadt Frankfurt zu stärken und dem Chorleben in der Stadt „einen Schub zu versetzen“.

Mit Projekten wie „Primacanta – Jedem Kind seine Stimme“, macht sich Frankfurt bereits heute für einen frühen Kontakt mit dem Singen im Grundschulalter stark. Gemeinsam mit den Wise Guys werden viele hundert Primacanta-Kinder die große Open-Air-Eröffnung am 7. Juni auf dem Römerberg gestalten. Beim am selben Abend ebenfalls auf dem Römerberg stattfindenden Konzert der Wise Guys handle es sich um ein Geschenk der Veranstalter an die Frankfurter Bürger, sagte der Künstlerische Leiter des Festes, Moritz Puschke. Denn so wie nahezu alle Chorfestkonzerte ist auch dieses gratis. Die zahlreichen Konzerte laden so nicht nur eingefleischte Chorfestbesucher, sondern auch flanierende Bürger ein. Einfach mal eben so vorbeikommen soll somit auch möglich sein.

Spontanität ist bei den Besuchern des Chorfestes auch in anderer Hinsicht gerne gesehen: Denn „Chor – das ist direktes Mitmachen vom Kindergarten bis ins hohe Alter“, betonte Hennig Scherf. Die Besucher des Festes werden nicht nur Zuschauer sein, sondern können zugleich als Mitsinger gestalterisch aktiv werden und dies nicht nur bei Mendelssohn Bartholdys „Elias“ als großes Mitsingkonzert im Rahmen der Nacht der Chöre. Auch die vielen Konzerte am zweiten und dritten Veranstaltungstag an über 20 verschiedenen Orten in der Stadt laden dazu ein. Eine völlig neue Form von Kultur bringt das Chorfest damit in die Stadt und die Menschen auf ganz andere Weise zusammen. So ist das Chorfest nicht nur Konzert, sondern auch soziales Miteinander.

Hennig Scherfs Anliegen ist es, mit dem Deutschen Chorfest in Frankfurt Begeisterung für den Chorgesang zu schaffen ? auch nachhaltig. Die Kulturpolitik und rund 20.000 Chorfestteilnehmer hat er bereits erreicht. Das vielfältige Programm bestehend aus Mitsingformaten, einem „Best of“ der deutschen und internationalen Chorszene (Nacht der Chöre), der Suche nach dem größten Beatles-Chor Deutschlands, Gesang in Kirchen und sozialen Einrichtungen sowie internationalen Musikprojekten bietet viele Anreize für jeden Besucher, sich für Chorgesang zu begeistern. Denn singen, behauptete Scherf zum Abschluss, „kann irgendwie jeder“.

* Die Autorin studiert Theater- und Orchestermanagement an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und unterstützt das Team des Deutschen Chorfests 2012 im Bereich Marketing.