Mai 212012
 

Von Susanne Gerster*

Beim dritten Konzert der „Auftakt Romantik“-Reihe zum Deutschen Chorfest 2012 kamen die Männerchöre Camerata Musica und Cantabile Limburg, die sich beide aus ehemaligen Limburger Domsingknaben gegründet haben, unter der Leitung von Jan Schumacher und Jürgen Faßbender zu einem großen Chor zusammen. Unter dem Titel „Die letzten Romantiker“ präsentierten sie große Vokalwerke von Richard Strauss, Max Bruch, Max Reger, Mathieu Neumann und Carl Reinthaler. Lesen Sie mehr über dieses besondere Konzert!

Die an diesem Nachmittag präsentierten Kompositionen stammen aus einer Zeit, in der sich die Musik bereits weg von der Romantik in andere Richtungen entwickelte. So entstanden neue harmonische Klangwelten in der (spät-)romantischen Chormusik. Die beiden Chorleiter fühlen sich selbst als „letzte Romantiker“ dazu berufen, auch weniger bekannte Werke von Max Reger oder Richard Strauss auf die Bühne zu bringen.

Der Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses lieferte den idealen Rahmen für dieses Programm. 1907 wurde das imposante Bauwerk fertig gestellt und stammt somit aus der gleichen Epoche, wie die zur Aufführung gebrachten Werke. Der im Jugendstil errichtete Saal sorgte aber nicht nur für eine großartige Konzert-Atmosphäre, sondern vor allem für eine klare Akustik. So kam das perfekte Zusammenspiel der Stimmen dieser beiden Chöre besonders gut zur Geltung.

Im Zentrum des ersten Programmteils standen Vertonungen romantischer Dichter, welche die typisch romantischen Themen der Sehnsucht, der Reiselust und der Verbundenheit mit der Natur aufgreifen. Dann folgte laut Chorleiter Jürgen Faßbender der „feuchte Teil des Programms“, beginnend mit „Vom Rhein“ von Max Bruch. Hier gelang dem Chor eine beeindruckende Dynamik zwischen den lauteren, frischen und den zarten, leisen Tönen. Mit einer Ansage wurde das Publikum dann auf „An das Meer“ von Max Reger vorbereitet: Laut Jan Schumacher das schwierigste Stück, das je für einen Männerchor komponiert wurde – und das gelte nicht für die Sänger, sondern ebenso für die Zuhörer. Was auf diese Warnung folgte, war definitiv das Highlight des Abends: Trotz der ungewohnten Rhythmik und Harmonik trugen die beiden Chöre dieses achtstimmige Werk in ergreifender Klarheit vor.

Mathieu Neumanns Vertonung von Goethes „Grenzen der Menschheit“ leitete den dritten Teil des Programms ein, gefolgt von Max Regers „Abendständchen“ mit einem bewegenden Solo von Bariton Sebastian Kunz. „Traumlicht“ von Richard Strauss war ein schöner Abschluss  für diesen abwechslungsreichen und in der Tat sehr romantischen Spätnachmittag , für den die Zuschauer auch gerne für kurze Zeit auf das sonnige Wetter draußen verzichteten. Drinnen wurden sie mit zwei Gute-Nacht-Liedern in den Abend verabschiedet.

Dasselbe Programm können Sie auch beim Chorfest in Frankfurt im Rahmen der Nacht der Chöre am 8. Juni erleben. Camerata Musica und Cantabile Limburg singen ab 20 Uhr in der St. Katharinenkirche an der Frankfurter Hauptwache.

* Die Autorin studiert Theater- und Orchestermanagement an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und unterstützt das Team des Deutschen Chorfests 2012 im Bereich Marketing.

  One Response to “Die „letzten Romantiker“ begeistern in Wiesbaden”

  1. […] bei einem Konzert zum Deutschen Chrofest in Limburg geschlagen haben, findet eine Konzertkritik im Festival-blog des Deutschen […]