Feb 192012
 

Sonntagabend, 20 Uhr. Noch einmal ausverkauftes Haus im RADIALSYSTEM. Nach vier Tagen voller Chormusik steuert die zweite Auflage von Chor@Berlin auf ihren krönenden Abschluss zu. Dieser könnte aufregender, inspirierender und berührender kaum sein: Im Rahmen seiner Reihe „Broadening the Scope of Choral Music“ präsentiert der Rundfunkchor Berlin Johannes Brahms‘ „Ein deutsches Requiem“ (1867) in völlig neuem Licht.

Jochen Sandig und ein künstlerisches Team aus den Reihen der Compagnie Sasha Waltz & Guests entwickeln unter dem Titel „human requiem“ eine choreographierte „Verkörperlichung“ des Werkes, bei der Text, Klang, Körper und Raum miteinander in Beziehung gesetzt werden. Der Chor wird in den Raum inszeniert, Sänger und Zuschauer gleichermaßen bewegt, die Trennung von Bühne und Zuschauerraum aufgehoben das traditionelle Konzerterlebnis wird um eine Dimension erweitert.

(Klicken Sie auf den „continue reading“-Button für Medienberichte und ein Video von den Proben für dieses spannende Projekt.)

Die Aufführung des „human requiem“ bei Chor@Berlin ist die dritte dieser faszinierenden Inszenierung, deren Titel auf Brahms selbst zurück geht: 1867 schrieb er an den Dirigenten der Uraufführung, dass er „recht gern das ,Deutsch’ fortließe und einfach den ,Menschen’ setzte“. Die ersten beiden Aufführungen wurden von den Medien ausgesprochen positiv aufgenommen. Niels Negendank etwa von der 3sat-Kulturzeit nennt das Konzert „eine Art Brahms-Flashmob“, der die Musik zu einem „unmittelbar körperlichen Erlebnis“ mache. Sein Fazit: „Großartig!“

„Der singende Mensch, der da unter seine Hörer tritt, vollzieht in der körperlichen Annäherung etwas, das als Tendenz im Werk angelegt ist“, schreibt Peter Uehling in der Berliner Zeitung. Brahms habe seiner Musik eine „kreatürliche Wärme mitgegeben, durch die sich der Klang dem Gemüt unmittelbar zuwendet“. Die Absicht seines Requiems sei nicht öffentliche Totenklage, sondern individueller „Trost im Angesicht des Todes“.

Und so wenden sich die Sängerinnen und Sänger auf sehr intime Weise den Zuhörern zu, berühren oder umarmen sie sogar. „Für den Hörer ist das Mittendrin-Sein auch mit musikalisch neuen Perspektiven verbunden“, schreibt Uehling. „Wenn etwa bislang nie richtig wahrgenommene Nebenstimmen nahe vorbei ziehen.“ (Zu Peter Uehlings Artikel gelangen Sie hier.) Und Udo Badelt fügt im Tagesspiegel hinzu: „Der Abend soll als physisches Erlebnis wahrgenommen werden. Musik als Atem, die aus dem Nichts kommt und wieder ins Nichts eingeht.“ (Zu Udo Badelts Artikel gelangen Sie hier.)

Ein mehr als würdiger Abschluss für vier großartige Tage im RADIALSYSTEM!

Zwei Stunden von der Aufführung ging Simon Halsey mit seinen Sängern noch einmal die wichtigsten Passagen und Bewegungsabläufe durch. In unserem Video bekommt man ein Gefühl von dem beeindruckenden Erlebnis, das sich den Zuhörern später im Konzert bietet:

Chor@Berlin2012 Human Requiem Probe from Deutscher Chorverband on Vimeo.

  One Response to “„human requiem“ als krönender Abschluss der zweiten Auflage von Chor@Berlin”

  1. […] Deutsche Requiem von Johannes Brahms als „human requiem“ mit dem Rundfunkchor Berlin (auch im Rahmen von Chor@Berlin 2012) und „Figure Humain“ mit dem Vocalconsort Berlin als choreographisch-musikalische […]

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