Feb 152012
 

„Das Ganze noch einmal, aber jetzt bitte mit etwas mehr Gelassenheit“, fordert Wolfgang Helbich. Dann heben die Musiker des Elbipolis Barockorchester Hamburg erneut zur Bach-Kantate „Nach dir, Herr, verlanget mich“ an. Die Proben für die große Bach-Nacht am Freitag im RADIALSYSTEM V gehen in die finale Phase. In einer der oberen Etagen probt das Alsfelder Vokalensemble, deren Leiter und Initiator der Bach-Nacht, Wolfgang Helbich, dirigiert in der Halle die Instrumentalisten sowie die Solisten vom Gesualdo Consort Amsterdam.

Dabei ist auch eine, die ursprünglich gar nicht eingeplant war: „Ich bin sozusagen der Überraschungsgast“, sagt Dorothee Mields (Bild) schmunzelnd, nachdem sie mit scheinbar müheloser Klarheit die Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ gesungen hat. Die Sopranistin ist eine der führenden Interpretinnen für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, Publikum und Presse lieben sie gleichermaßen für ihr einzigartiges Timbre und berührenden Interpretationen. Doch wegen anderweitiger Verpflichtungen gehörte sie zunächst nicht zum Chor@Berlin-Team. Als sich diese später zerschlugen, stand die Besetzung für Berlin schon – sehr zu Mields‘ Leidwesen.

Als sie nun vor Kurzem mit den Gesualdos in Holland einige Konzerte sang, erzählte sie ihrer Kollegin Nele Gramss, wie traurig sie sei, bei Chor@Berlin nicht dabei zu sein. Schließlich ist sie seit ihrem Gesangsstudium in Bremen den Alsfeldern tief verbunden: „Bremen war ja gewissermaßen mein musikalischer Kindergarten, ich bin mit diesen Menschen aufgewachsen.“ Bei Wolfgang Helbich zu singen, sei außerdem „immer ein Erlebnis gewesen“.

Gramss bot Mields daraufhin kurzerhand an, nicht nur ihren Gesangspart bei Chor@Berlin, sondern auch das Hotelzimmer und die Gage mit ihr zu teilen. „‚Ich bring Dich einfach mit!‘, hat sie gesagt“, erzählt Mields lachend. Jetzt steht sie bei Chor@Berlin also auch auf der Bühne, und das Publikum darf sich am Freitag (es gibt noch Karten!) auf ein außergewöhnliches Hörerlebnis freuen. „Wenn sie ‚Ach’ singt, ertönt nicht nur ein Ausrufezeichen“, schrieb die Zeit einmal über Dorothee Mields, „sondern ein ganzer Satz Lebenslust in drei Buchstaben: Wie kostbar ist das: Freude!“