Sep 242011
 
Chor

„Zeitgenössische Chormusik bildet Kompetenzen bei den Chorsängern aus.“ Davon ist Cornelius Trantow, Chorleiter des 1994 von ihm gegründeten Ensemble Vocal überzeugt. Beim chor.com-Workshop zeigte er, wie Rhythmik und Klangvolumen bei modernen Stücken geprobt werden können. Foto: Christoph Müller-Girod

Wenn Viertel gegen Achtel prallen, sind die Sänger besonders gefordert. Allerdings meistern die Tenöre, für die dieses Stück eine besondere Herausforderung ist, dank der zahlreichen vorangegangenen Rhythmusübungen wie Fußstampfen und Betonung der Eins die Übung locker. Schwieriger wird es dagegen, wenn die Chormitglieder nur fünf Sekunden Zeit haben, aus einem Klangcluster nach D-Dur zu gelangen. Auch dies kann allerdings durch bewusstes Verankern im Körper geübt werden. Etwa, wenn die einzelnen Sänger sich umdrehen, sobald sie meinen, beim Dur-Klang angekommen zu sein.

Medien: Christoph Müller-Girod

Für Cornelius Trantow ist das Dirigieren die Visualisierung der jeweiligen Situation. Dass diese je nach Raum unterschiedlich ist, leuchtet ein. Und während des Konzerts kann der Dirigent immer nur nachgeordnet reagieren – in dem Moment, in dem der Chor falsch singt, kann er nicht mehr eingreifen. Da ist es besser, wenn der Chor als aufeinander eingespieltes Team agiert, und schon vorausschauend eingreift. Trantow ist während des Workshops eher Impuls- als Richtungsgeber. Bei einigen der dargebotenen Stücke ist es tatsächlich auch eher Sache der Sänger und Sängerinnen, die Geschwindigkeit vorzugeben. Allerdings: „Bei Reger würde ich sicherlich strenger sein“, meint Trantow.

Können Laienchöre diese komplizierten Werke, die enorme Dissonanzen haben und schwierige rhythmische Stellen haben, überhaupt singen? „Ein ambitionierter Laienchor kann das“, ist Trantow felsenfest überzeugt. Dabei definiert er Laienchor als einen Chor, bei dem keiner der Sänger Geld mit seiner Tätigkeit verdient. Extra-Gesangsstunden etwa hat keiner der Ensemble Vocal-Mitglieder erhalten. Vom Gründungsteam sind heute zwar noch etliche dabei, doch die meisten Sänger sind mit der Zeit an den Werken gewachsen. Die Fachleute aus dem Publikum waren nach der letzten Darbietung, die auch szenische Elemente enthielt, jedenfalls begeistert.