Sep 232011
 
Chor

Zur Präsentation seines Buches „Schott Master Class Chorleitung“ kam Simon Halsey, Chefdirigent des Rundfunkchors Berlin und Artist in Residence der chor.com, in die chor.com-Lounge. Von Moderatorin Andrea Thilo befragt, gab er lebendig und humorvoll Auskunft über die Entstehung des Buches und über den eher britischen Weg des Chordirigierens.

100 Stunden Videomaterial wurden für die zwei DVDs des Buches gedreht, drei bis vier Kameras waren sechs Tage einzig damit beschäftigt, die Meisterklasse mit Simon Halsey für das Buchprojekt einzufangen. Die entscheidenden Szenen wählte der Grammy-Preisträger persönlich aus – unter anderem gibt er dabei Einblicke in seine Arbeit an Werken von Mendelssohn Bartholdy und Mahler. „Ich komme aus einer Tradition, in der man gemeinsam anfängt und auch gemeinsam beginnt“, meinte Simon Halsey scherzhaft, bevor er auf das Buch zu sprechen kam. Es sei kein Buch, in dem genau erklärt werde, wie man eine Eins schlägt oder wie ein Dreiviertel-Takt angezeigt werden muss. Von dieser Art Bücher gebe es auf dem deutschen Markt schon genug. Halsey und seine Co-Autorin Wiebke Roloff hätten einen anderen Zugang gewählt: Viel Autobiographisches sei in diesem Buch vorhanden.


Video: Christoph Müller-Girod

„Zu einer guten Probe gehört auch die Stunde davor“, findet Simon Halsey. „Die Parksituation gehört dabei ebenso dazu wie die Toilettenfrage.“ Beim Dirigieren selbst arbeitet Halsey gerne mit Bildern, die er auch von Sir Simon Rattle übernommen hat. Dass eine Stelle wie der „Schrei“ von Munch klingen müsse oder wie zwei doppelte Espressi – eine solche Ansage des Dirigenten präge den Chorklang anders aus, als wenn man nur sage, die Terz sei etwas zu tief oder der Chor an dieser Stelle zu leise. „Es ist wichtig, dass die Chorsänger Bilder im Kopf haben.“ Dabei ist Halsey auch der Faktor der Mitmenschlichkeit wichtig. Die Art des britischen Dirigierens sei zwar höflicher und freundlicher, aber das heiße nicht, dass man nicht auch zehn Minuten stringent sein und auf den Punkt kommen müsse. „Drill mit Stil“ heißt ein Kapitel des Buches. Es sei dieses „perfekt, aber…“, das man mit Eleganz rüberbringen müsse.

„Disziplin“, so Halsey, „ist die Voraussetzung von Freiheit.“ Wenn der Dirigent wisse, dass alles gut vorbereitet ist, könne er innerhalb dieses Rahmens optimale Freiheit für die Sänger gewährleisten. Manchmal müsse man dabei auch den Plan, den man eigentlich für die Probe gehabt habe, verwerfen und stattdessen improvisieren. Dabei seien auch Ratschläge seines 83-jährigen Vaters in das Buch eingeflossen, der unter anderem mit Strawinsky und Vaugh-Williams gearbeitet habe. „Er hat nie selbst etwas veröffentlicht, es gibt aber von seinen Meisterklassen viele Typoskripte.“ Und, so Halsey lächelnd: „Gestern habe ich mit meiner Mutter telefoniert. Mein Vater beginnt gerade mit seinen Memoiren.“

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