Sep 252011
 
Chor

Bevor er mit seinem Workshop begann, räumte Eric Whitacre erst einmal das Dirigentenpodium zur Seite. Zusammen mit Texter Charles Anthony Silvestri führte der US-amerikanische Komponist und Chorleiter dann in seine Werke ein – und änderte für die Deutschlandpremiere des „Alleluja“ noch während des Workshops sechs Takte.Eine Woche vor der chor.com war Whitacre noch an der Umarbeitung des ursprünglich für Bläser geschriebenen Werkes „Alleluja“ beschäftigt gewesen. Eine schwierige Aufgabe, da zwar Tenöre durchaus wie Hörner klingen können, aber Partien, die Instrumente mit Leichtigkeit bewältigen können, für Chorstimmen nicht machbar sind. „Eigentlich dachte ich, es wäre einfach, das elf Jahre alte Stück umzuarbeiten“, meinte Whitacre, „aber letztendlich hatte ich mehr Arbeit, als ich dachte. Die Schwierigkeit liegt vielleicht auch darin, dass ich vor elf Jahren anders gedacht und gefühlt habe als jetzt.“ Er sei, betonte er während des Workshops, weder Christ noch Atheist. Dennoch habe er das Wort „Alleluja“ gewählt. „Es lässt sich einfach schön singen, zudem fasziniert mich, dass es im heutigen Hebräisch immer noch dasselbe bedeutet wir vor Urzeiten.“

Chor

Während der Proben merkt Whitacre dann, dass etwas noch nicht ganz stimmig ist. Seine Erfahrungen: Wenn ein Chor wie das Junge Vokalenensemble Hannover bestimmte Stellen zwar den Noten nach richtig singt, aber diese nicht gut wirken, dann liegt es an den Noten. Prompt streicht er sechs Takte. Und auch bei einem im Konzert zu hörenden Sopran-Solo ist sich Whitacre nicht ganz sicher – „vermutlich werde ich noch einiges umschreiben.“

Chor

Fotos: Christoph Müller-Girod

Ob dies der Auftakt für ein größeres geistliches Werk sein könne? Er habe schon mit dem Gedanken gespielt, sagt Whitacre, letzendlich aber bevorzuge er die andere Variante: „Es hat Charles und mich überrascht, dass Lux Aurumque im kirchlichen Zusammenhang gesungen wird. Das ist vielleicht der bessere Weg.“ Ganz klassisch bringt er mit Papier und Bleistift seine Werke aufs Notenblatt, wobei er zuerst am Klavier sitzt, sich dann aber so bald wie möglich vom Instrument entfernt: „Ich habe in der Vergangenheit eher wunderschöne Klaviermusik geschrieben als gute Chormusik. Um zu überprüfen, ob das, was ich mir vorgestellt habe, auch so klingt, wie es soll, gehe ich dann ans Klavier zurück.“

Als letztes Stück im Workshop war „Her Sacred Spirit Soars“ zu hören. Eines der Werke, bei dem Charles Anthony Silvestri zuerst den Text – in Shakespeare-Sonett-Form – schrieb, und den Whitacre dann  für Doppelchor umsetzte. Dabei singen beide Chöre exakt denselben Satz. Der zweite Chor allerdings setzt genau einen Takt später ein. „Es ist wie bei einem Ölgemälde, bei dem die Farbe noch nicht ganz trocken ist, und die man dann verschmiert.“ Ein sehr treffender Vergleich, den die Zuhörer direkt nachvollziehen konnten.

  One Response to “Eric Whitacre: Deutschlandpremiere bei der chor.com”

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