Jan 142011
 
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Wenn Eric Whitacre dirigiert, dann sind es kleine, feine Gesten.Manchmal genügt auch nur ein Blick, um den Chorsängern die Richtung zu weisen. Das, so findet Eric Whitacre, sei viel besser als große, energisch antreibende Gesten: „Man lässt den Sängern dadurch mehr Raum“. Feminin nennt Andrea Thilo dies bei der Pressekonferenz Whitacres Dirigierart. Wer ihn im Workshop bei seiner Arbeit beobachten konnte wird dem zustimmen können.

Mit 18 Jahren hat Whitacre die Musik richtig für sich entdeckt. Die Harmonien beim Chorsang waren für ihn das Schlüsselerlebnis. Drei Jahre später schrieb er sein erstes Werk, dem bislang unzählige folgten. Beim Komponieren für den Chor faszinieren Whitacre immer noch die Harmonien, die vielfältige Art und Weise wie sich Akkorde aufbauen können, auch die kleinen Dissonanzen. Dabei streift Eric Whitacre beim Komponieren alle Genregrenzen und wer ein Stück mit dem Namen „Godzilla eats Las Vegas“ erschafft, der muss über etwas verfügen, was man auch beim Dirigieren ab und an braucht: Humor.


© Christoph Mueller-Girod

Light and Gold“ ist seine neueste CD und auf ihr findet sich ein Stück, mit dem Eric Whitacre mehr als eine Million Clicks auf Youtube erreicht hat: „Lux Aurumque“. „Jemand schickte mir eines Tages den Link zu einem Youtube-Video, in dem eine junge Frau dieses Stück von mir sang. Es war einfach unglaublich. Als ich das gesehen habe fragte ich mich: Warum sollte man so etwas nicht mit hundert Leuten machen können?“ Die Idee zum Virtual Choir war geboren. 185 Sänger aus 15 Ländern waren beim ersten Mal dabei. Und für das aktuelle Projekt, das im April bei Youtube zu sehen sein wird, sind 1,987 Videos aus 55 Ländern eingesandt worden. Angestrebt waren an die 900. Dass das Internet in der Klassik kaum eine Rolle spielt, erstaunt Whitacre, der bei Facebook an die 50.000 Fans hat und dessen Virtual-Choir-Videos bei Youtube millionenfach angesehen wurden. „Die Angebote sind schließlich kostenlos.“ Und warum sollte man sie nicht auch nutzen?

 

Dass „Light and Gold“ bei Decca erscheint, einer der traditionsreichsten Firmen im Musikgeschäft, darauf ist Eric Whitacre durchaus stolz. Doch wenn die Rede auf die Sänger und Sängerinnen dieser CD kommt, ist er vor lauter Enthusiasmus kaum zu bremsen. Das liegt vielleicht daran, dass die Eric Whitacre Singers quasi das erste eigene Ensemble sind, mit dem Eric arbeiten durfte. Unterstützt wurden sie dabei von Laudibus, dem National Youth Choir’s Chamber Choir. „Das war einfach ein Erlebnis: Ich konnte das Album in London aufnehmen und hatte dann diese talentierten Sänger- und Sängerinnen. Oftmals haben wir die Stücke nur ein- oder zweimal eingesungen.“ Dass nebenbei „Light and Gold“ die erste CD ist, auf der Whitacre seine eigenen Stücke dirigiert, fällt dabei fast gar nicht mehr ins Gewicht. In den USA und in England hat die CD aus dem Stand die Top-Position der Albencharts erreicht.

Und das nächste Projekt? Das steht schon vor der Tür. „Sing with Eric“ heißt das Konzert, bei dem es diesmal nicht um virtuelle, sondern um Sänger aus Fleisch und Blut geht. An die hundert Sängerinnen und Sänger werden gemeinsam mit Whitacre auf der Bühne in New York stehen. Bewerben konnte man sich für das Projekt natürlich im Internet – per Youtube-Video.

 

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